Während des letzten Jahres wurden Whistleblower häufig in internationalen Medien erwähnt. Nachrichtenagenturen berichteten über Fehlverhalten, wie zum Beispiel Panama Papers, #metoo und LuxLeaks. Es entsteht dadurch eine zunehmende Anerkennung des Wertes von Whistleblowing als ein Mittel zur Ansprache von Fehlverhalten. Zudem führt eine steigende Anzahl von Ländern entsprechende Gesetzgebungen in Kraft, die Whistleblower schützen sollen. Die Europäische Kommission hat dieses Jahr ein neues Gesetz vorgeschlagen, dass den Schutz von Whistleblowern in der EU stärken soll.

 

WhistleB, ein Whistleblowing- und Compliance Unternehmen aus Schweden, erstellte eine Kundenstudie letzten August. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Ergebnisse von Fragen zusammen, die an 200 Unternehmen, Behörden und andere Organisationen, die Whistleblowing-Systeme verwenden, gesendet wurden. Die meisten dieser Organisationen haben ihren Hauptsitz in Europa, viele sind aber international vertreten. Hier sind einige der Ergebnisse unserer Studie:

1. Whistleblowing wird immer beliebter innerhalb von Unternehmen

Organisationen gaben an, dass sie im Vergleich zu früheren Jahren eine signifikant höhere Anzahl von Whistleblowing-Berichten erhalten haben. Im Durchschnitt erhielten Unternehmen eine Nachricht pro 400 Mitarbeiter im Jahr. Dies motiviert Organisationen professionelle Whistleblowing-Kanäle zu implementieren, die eine effiziente und sichere Meldung von Fehlverhalten ermöglichen. Immer mehr Organisationen erweitern auch die Gruppe von Personen, die Zugang zu ihrem Whistleblowing-Kanal erhalten, um externe Gruppen wie Lieferanten und Kunden einzubeziehen.

2. Finanzielle Unregelmäßigkeiten und Missbrauch am Arbeitsplatz sind häufige Berichterstattungsthemen

Whistleblowing wurde oft mit Betrug und finanziellem Fehlverhalten in Verbindung gebracht. Diese Art des Fehlverhaltens ist nach wie vor ein wichtiger Bestandteil der eingehenden Whistleblowing-Berichte. Die Kundenstudie hat jedoch gezeigt, dass Organisationen eine zunehmende Anzahl von Berichten über Missbrauch am Arbeitsplatz, wie (sexuelle) Belästigung, Diskriminierung und anderes unethisches Verhalten erhalten.

Es scheint offensichtlich, dass die soziale Bewegung, die Whistleblower in deren Handlungen stärkt, den Glauben bekräftigt, dass Fehlverhalten auf anderen Motiven als finanziellem Vorteil beruhen kann.

3. Online-Berichterstattung marginalisiert die Nutzung von Telefon-Hotlines

Über Online-Whistleblowing-Kanäle gingen ca. 90% aller Whistleblowing-Meldungen ein. Angesichts der stetig wachsenden Anzahl von Smartphones mit Internetzugang bevorzugen Hinweisgeber eindeutig die Online-Berichterstattung gegenüber der herkömmlichen Telefon-Hotline. Trotz sich entwickelnder Technologien für die Telefonberichterstattung, wie zum Beispiel der interaktiven Sprachausgabe (Interactive Voice Response, IVR), entscheiden Whistleblower überwiegend in schriftlicher Form online zu berichten. Immer strengere rechtliche Rahmenbedingungen wie die DSGVO sind ein starker Anreiz für Organisationen, sich auf Datenschutz und Sicherheit zu konzentrieren.

 

Ausblick: Der Weg zum Whistleblowing ist eröffnet

Die Kundenstudie weist darauf hin, dass keine Beweise dafür gefunden wurden, dass das Angebot eines barrierefreien Whistleblowing-Kanals zu Spam, irrelevanten Botschaften, bösgläubigen Berichten oder anderen negativen Reaktionen von Mitarbeitern führen würde.

Die befragten Organisationen gaben an, dass die meisten Whistleblower-Berichte zu Untersuchungen geführt hätten. Zudem wurde bemerkt, dass die Informationen, die über die Kanäle zur Meldung von Missständen gewonnen werden, sehr schwer, beziehungsweise auf andere Weise unmöglich zu erhalten wären.

 

Angesichts der Entwicklungen auf dem Gebiet Compliance, sowohl auf rechtlicher als auch auf ethischer Ebene, deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass Whistleblowing innerhalb von Organisationen keinen Trend darstellt, sondern einen neuen Standard, der sich durchsetzen wird.

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